Aktivpension: Ein echter Anreiz für längeres Arbeiten
Österreichs Pensionssystem braucht Reformen. Mit der Aktivpension soll Weiterarbeiten im Alter endlich attraktiver werden und am Ende auch zu einer besseren Pension führen.

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Österreich hat ein Pensionsproblem. Damit sind nicht jene Menschen gemeint, die sich nach einem langen Arbeitsleben eine gute und lebenswerte Pension erwarten. Das Problem ist das System selbst.
Unsere Altersvorsorge steht zwar auf drei Säulen, in der Praxis trägt aber fast nur eine davon: die staatliche Pension im Umlageverfahren. Die Erwerbstätigen von heute finanzieren die Pensionist:innen von heute, gleichzeitig leben wir zum Glück länger und gesünder und immer weniger Junge müssen immer mehr Pensionen mitfinanzieren. Das bringt das System zunehmend unter Druck. Schon jetzt fließen jedes Jahr knapp 20 Milliarden Euro an Bundeszuschuss in das Pensionssystem.
Genau deshalb braucht es Reformen. Ziel ist es, Menschen länger in Beschäftigung zu halten, das System auf ehrlichere Beine zu stellen und dafür zu sorgen, dass Arbeit sich auch am Ende des Berufslebens auszahlt.
Ich glaube, jedem leuchtet ein, dass es gut wäre, ein System zu schaffen, das sich selber besser finanziert.Yannick Shetty
NEOS Klubobmann
Mehr Netto für alle, die länger arbeiten
Der wichtigste Schritt dabei ist die Aktivpension. Sie richtet sich an Menschen, die das Regelpensionsalter erreicht haben und trotzdem weiterarbeiten wollen und weiterarbeiten können. Heute werden sie dafür oft eher gebremst als belohnt: Sie zahlen weiter Beiträge, obwohl sie schon Anspruch auf Pension hätten und auch steuerlich haben sie Nachteile.
Ab 2027 soll das anders werden. Wer nach dem Regelpensionsalter weiterarbeitet, soll einen Aktivitätsfreibetrag von 15.000 Euro pro Jahr bekommen. Das sind 1.250 Euro pro Monat, die steuerfrei bleiben. Zusätzlich soll der Dienstnehmeranteil zur Pensionsversicherung wegfallen, wenn jemand nach dem Regelpensionsalter weiterarbeitet oder den Pensionsantritt aufschiebt. Dadurch bleibt spürbar mehr netto.
Begünstigt werden dabei also zwei Gruppen: Einerseits Menschen, die die Voraussetzungen für die Pension bereits erfüllen und trotzdem weiterarbeiten. Andererseits jene, die zwar schon in Pension gehen könnten, sich aber bewusst entscheiden, noch im Job zu bleiben. Für beide gilt: Wer länger arbeitet, soll nicht bestraft, sondern belohnt werden. Genau dieser Logik folgen die Reformen.
Auch die zweite Säule soll endlich mehr leisten
Klar ist aber auch: Ein stabiles Pensionssystem kann nicht auf Dauer von fast nur einer Säule getragen werden. Gerade die betriebliche Altersvorsorge könnte viel stärker zu höheren Pensionen beitragen. In Österreich tut sie das bislang zu wenig.
Seit 2003 zahlen Arbeitgeber:innen verpflichtend 1,53 Prozent des Bruttogehalts in betriebliche Vorsorgekassen ein. Rund 22 Milliarden Euro liegen dort heute für fast vier Millionen Anwartschaftsberechtigte. Das Problem: Dieses Geld wird derzeit so konservativ veranlagt, dass real kaum Rendite entsteht. Viel Potenzial bleibt dadurch liegen.
Deshalb soll auch die zweite Säule reformiert werden. Künftig soll jede und jeder Erwerbstätige automatisch Zugang zu einer betrieblichen Zusatzpension bekommen, unabhängig von Branche oder Unternehmensgröße. Gleichzeitig soll das Geld langfristiger und renditeorientierter veranlagt werden können, wenn auf die sofortige Entnahme verzichtet wird. So soll aus einer derzeit schwachen Säule endlich ein echter Beitrag für bessere Pensionen werden.
Flankiert wird das Ganze von einem Paket für ältere Beschäftigte. Betriebe sollen gezielt Informationen und Unterstützung bekommen, etwa zu Förderungen oder altersgerechten Arbeitsplätzen. Ab 2027 sollen dafür jährlich 100 Millionen Euro in wirksame Maßnahmen fließen. Der Grundsatz dahinter ist klar: Unterstützung ja, Bestrafung nein.
Wie machen wir ein System, das zu lange marode war, wieder zukunftsfit? Die Antwort dieser Reform ist klar: mit besseren Anreizen, mehr Ehrlichkeit und einem Pensionssystem, in dem längeres Arbeiten auch wirklich etwas bringt.
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